Burgruine mit Weitblick über die Nordpfalz

Mag sein, dass das Heidelberger Schloss die „schönste Ruine Deutschlands“ ist, wie der Dichter Joseph von Eichendorff die mehrmals attackierte Burg am Neckar bezeichnet hat. Nicht minder grotesk erhebt sich die Burg Neuleiningen über der gleichnamigen Kleinstadt in der Nordpfalz. Gemeinsam haben beide Festungen, dass sie im Pfälzischen Erbfolgekrieg in den Jahren um 1690 zerstört wurden.

Nach Angaben der Stadt handelt es sich in Neuleiningen immerhin um die früheste Kastellburg auf deutschem Boden, die nach französischem Vorbild erbaut wurde. Dies war in den Jahren 1238 bis 1250 unter Graf Friedrich III. Seit der Verwüstung durch die Truppen des Sonnenkönigs kommt der mächtige Innenhof noch besser zur Geltung. Im wahrsten Sinne des Wortes ist seitdem Gras über die Sache gewachsen und heute schwärmen Touristen aus, um zu entdecken, was vom einstigen Glanz übriggeblieben ist. Die vier Rundtürme und Teile der Ringmauer haben den Angriffen standgehalten und dennoch prägen deformierte Mauerkonstruktionen das Bild einer Burg, die heute noch unter den Zerstörungen zu leiden scheint. Davon unberührt gibt sich die Burgschänke vornehm und offeriert sich als Ort für alle, die im romantischen Ambiente eine unvergessliche Feier erleben wollen. Für den Tagesgast bietet das Restaurant neben Riesengarnelen, Weinbergschnecken und Forelle Pfälzer Gerichte an. Da darf der Saumagen nicht fehlen, der mit Weinsauerkraut serviert wird. 

Von einst drei Stadttoren ist nur noch eines vorhanden, so sehr litt auch die zur Verteidigungsanlage ausgebaute Stadt unter den Angriffen der Franzosen. Alle Widrigkeiten der Zeit hat die Pfarrkirche St. Nikolaus überstanden, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts anstelle einer Kapelle errichtet wurde und bis heute als Wallfahrtskirche der Gnadenmutter zu Neuleiningen ihre Anziehungskraft bewahrt hat. „Die spätgotische Marienstatue mit Kind in einer Mandorla wird zum Fest Mariä Geburt um den 8. September herum besucht“, heißt es in der Kirchenbeschreibung. Der Kruzifixus des Altars ist eine Arbeit der Riemenschneiderwerkstatt, wenn auch nur in Form einer Nachbildung. Spätgotisch sind ebenfalls die Figuren Maria und Johannis des Altars sowie die zwölf Apostel. Die Statue des Namenspatrons Nikolaus ist barock.

Der Ort wirkt etwas verschlafen, obwohl seine engen Gassen dazu einladen, die Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert sich näher anzusehen. Draußen vor den Toren prägen Weinberge das Bild einer Stadt, die bereits Mitte des 14. Jahrhunderts Stadtrechte erhielt. Damals zählte Neuleiningen zu den Besitztümern des Bischofs von Worms. Im Bauernkrieg von 1525 soll Gräfin Eva von Leiningen es geschickt verstanden haben, den Zorn der Aufständigen zu mildern. Während das Stammschloss von Altleiningen in Flammen aufging, soll sie die Bauern im Burgkeller freundlich empfangen und bewirtet haben. Das Fürstengeschlecht der Leininger verlor übrigens mit der Säkularisierung von 1803 ihre Besitztümer und wurden mit Territorien am Untermain entschädigt. Der 1806 zwischen Frankreich und 16 deutschen Fürsten abgeschlossene Rheinbund besiegelte auch das Ende der Herrschaft über Amorbach und Miltenberg, die kurzzeitig nach Hessen wechselten und 1816 bayerisch wurden.

Anfahrt

Neulingen ist über die A 6 Mannheim (Abfahrt Wattenheim) nach Kaiserslautern oder über die parallel verlaufende Bundesstraße 47 zu erreichen.

Bildergalerie

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